Sprachtherapie, Sprechtherapie, Stimmtherapie, Schlucktherapie


Die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation kann auf vielfältige Weise beeinträchtigt sein:

 

  • Aphasien (zentrale Sprachstörungen mit Beeinträchtigung der "inneren

    Struktur" von Sprache)

  • Kognitive Dysphasien (nichtaphasische Sprachstörung infolge von gestörten Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Exekutivfunktionen)

  • Sprechapraxien (Störungen der Planung von Bewegungsabläufen der Sprechbewegungen)

  • Dysarthrien (Störungen des Sprechens infolge Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns)

  • Dysphonien (Stimmstörungen, z.B. infolge von Stimmlippenlähmungen)

  • Alexien und Agraphien (Beeinträchtigungen im Lesen und Schreiben)

 
Jedes sprachtherapeutische Behandlungsprogramm in der Brandenburg Klinik beginnt mit einer Diagnostik der vorliegenden sprachsystematischen, stimmlichen und sprechmotorischen Störung einschließlich ihrer Alltagsrelevanz. Im Verlauf der Behandlung wird diese Analyse regelmäßig wiederholt, da bei Verbesserung einer sprachlichen Teilfunktion oft eine andere therapeutische Strategie erforderlich ist.


Basis der Aphasiediagnostik ist neben anderen diagnostischen Verfahren der Aachener Aphasie Test (Huber et al.), der gemeinsam mit Video- oder Audioaufnahmen auch zur Verlaufsdokumentation herangezogen wird. Für spezifische diagnostische Fragen werden weitere Tests (z.B. LeMo von de Bleser et al.) und systematische Beobachtungen eingesetzt. Auch häufig begleitende Beeinträchtigungen des Schreibens, Lesens und Rechnens werden therapiert.

 

Differentialdiagnostisch werden die Kognitiven Dysphasien, als nicht sprachsystematische Störungen, von den Aphasien unterschieden. Da kommunikative Fertigkeiten durch kognitive Funktionsstörungen (wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen) in erheblichem Umfang beeinträchtigt sein können, kooperieren Sprachtherapie und Neuropsychologie besonders eng. Beeinträchtigungen des Sprechens und der Stimme können die kommunikativen Fähigkeiten des Patienten im Alltag sehr einschränken. Daher werden auch diese Störungsbilder durch unsere sprachtherapeutischen Kollegen gewissenhaft diagnostiziert und therapiert.

 

Schluckstörungen und Trachealkanülenmanagement

Vor allem im Bereich der Frührehabilitation leiden viele Patienten unter Schluckstörungen, die sich bemerkbar machen können durch häufiges Verschlucken, Kloßgefühle im Hals oder vermehrtes Husten. Werden solche Schluckstörungen nicht oder zu spät erkannt, können schwere Lungenentzündungen entstehen, wenn Nahrung nicht in die Speiseröhre, sondern vermehrt in die Luftröhre gelangt. Aufgabe der Sprachtherapeuten der BBK ist die Erfassung und Therapie solcher Störungen. Jeder Patient wird deshalb bei Aufnahme intensiv hinsichtlich seiner Schluckfunktionen untersucht. Falls sich Störungen zeigen, erfolgt eine Therapie durch funktionelles Schlucktraining, fazio-orales Training oder durch die Anpassung der Nahrungskonsistenzen (z.B. durch Andickung von Flüssigkeiten, damit diese besser im Mund kontrolliert und weniger häufig in die Luftröhre gelangen können).

 

Bei schweren Schluckstörungen ist unter Umständen die Anlage eines Tracheostomas erforderlich, um durch eine Trachealkanüle die Lunge vor dem Eindringen von Nahrung und Speichel zu schützen. Die Trachealkanüle verfügt über einen Ballon, der in der Luftröhre aufgeblasen wird und auf diese Weise verhindern kann, dass Speichel von oben in die Luftröhre fließt. Aufgabe der Sprachtherapeuten ist die schrittweise Entwöhnung von der Trachealkanüle. Ziel ist, dass der Patient möglichst ohne diese Kanüle die Klinik verlassen kann. Wenn dies in schweren Fällen nicht möglich ist (z.B. bei andauernden schweren Schluckstörungen, bei denen Speichel in die Luftröhre fließt), erfolgt durch die Sprachtherapeuten eine umfangreiche Schulung der Angehörigen oder des Pflegepersonals der weiterbetreuenden Einrichtung im Umgang mit der Trachealkanüle.